Wenn Frauen Alkohol trinken

Alkohol-Konsum bei Frauen

Alkoholsucht bei Frauen

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Frauen greifen zum Glas aus den gleichen Gründen, aus denen es Männer tun – leider sind die Auswirkungen meist weitaus schlimmer. Obwohl dem nicht alle Ärzte zustimmen, herrscht die Meinung vor, dass der Alkoholismus bei Frauen schwerer zu therapieren ist und weiterreichende gesellschaftliche Folgen hat. Denn obwohl der Zusammenhalt in einer Familie, mit der Mutter als Rückgrat, trotz des Alkoholismus des Vaters durchaus vorstellbar ist, so findet man die umgekehrte Situation viel seltener.

Alkohol hat auf Frauen eine andere Wirkung als auf Männer, auch sind die gesundheitlichen Folgen von Alkoholgenuss für Frauen gefährlicher. Dies ist allerdings der großen Mehrheit der Frauen nicht bewusst.
Im übrigen reagiert eine Frau schon etwa wegen ihres geringeren Körpergewichts etwas anders auf Alkohol – die gleiche Dosis verursacht eine schnellere und höhere Alkoholkonzentration im Blut als bei einem Mann. Auch ist die gesellschaftliche Toleranz gegenüber betrunkenen Männern und Frauen unterschiedlich. Dies hat zu Folge, dass Frauen versuchen, ihre Sucht zu verstecken und somit gleichzeitig die Entscheidung, sich behandeln zu lassen, hinausschieben. Dies wiederum verursacht allzu oft gesundheitliche Schäden, Probleme in der Familie und am Arbeitsplatz, letztlich ein verkümmertes, vergeudetes Leben. Den höchsten Wert der mit Alkohol zusammenhängenden Probleme und das häufigste Auftreten von Abhängigkeitssymptomen beobachtet man bei Frauen im Alter von 21 bis 34 Jahren. Frauen können, viel häufiger als Männer, einen konkreten Grund dafür nennen, warum sie angefangen haben, Alkohol in höheren Mengen zu konsumieren.

Bisher weiß man sehr wenig über die Persönlichkeitseigenschaften bei Frauen, die für eine Entwicklung des Alkoholismus ursächlich sein könnten. Eine der Untersuchungen, die Studenten umfasste, zeigte auf, dass Faktoren, die Vorboten einer künftigen Alkoholerkrankung sein könnten, bei Frauen ganz andere sind als bei Männern.
Das Risiko eines vorzeitigen Todes im Zusammenhang mit erhöhtem Alkoholkonsum ist bei Frauen fünfmal höher als bei Männern. Frauen sind besonders für die Entstehung von Leberschäden anfällig – diese entstehen viel plötzlicher, nach einem kürzeren Zeitraum des Alkoholmissbrauchs und bei einem geringeren Alkoholkonsum. Der Magen einer Alkoholikerin verstoffwechselt den Alkohol überhaupt nicht – die Leber muss ganz allein mit der gesamten getrunkenen Menge klarkommen. Ebenfalls sind Frauen häufiger als Männer mit dem Risiko eines vorzeitigen Todes auf Grund von Erkrankungen des Verdauungstraktes belastet.
Ein hoher Alkoholkonsum kann bei Frauen das Risiko des Auftretens von Problemen bei der Entbindung, anderen gynäkologischen Problemen sowie der Unfruchtbarkeit erhöhen.
Es gibt Berichte, laut denen Frauen, die bei ihrem Frauenarzt wegen eines prämenstruellen Syndroms vorstellig werden, viel häufiger als andere hohe Mengen an Alkohol konsumieren.

In solchen Fällen verschreiben Ärzte Präparate, die stimmungsverändernd oder beruhigend wirken, oder solche, die Amphetamine enthalten. Dies verursacht ein erhöhtes Missbrauchsrisiko dieser Substanzen. Und tatsächlich werden Frauen viel häufiger von auf Rezept erhältlichen Medikamenten abhängig als Männer.
Anders als Männer fangen Frauen mit Alkoholkonsum und Alkoholmissbrauch im Schnitt später an als Männer. Dafür beginnen sie eine Behandlung im fast demselben Alter.
Gegenwärtig wird der Konsum von 100%igem Reinalkohol bei einer statistischen Durchschnittsperson auf 9,2 Liter geschätzt. Männer trinken fast dreieinhalb Mal soviel wie Frauen. Dieser Unterscheid wird allerdings immer geringer, wobei Jugendliche ebenfalls immer mehr Alkohol konsumieren.

Eine interessante Differenzierung des Alkoholkonsums hängt mit dem Bildungsgrad zusammen. Am meisten trinken Personen mit einer beruflichen Grundausbildung. Unter dem weiblichen Anteil der Bevölkerung steigt der durchschnittliche Alkoholkonsum mit dem Bildungsgrad. Frauen mit höherer Bildung trinken über die Hälfte mehr (etwa 65%) als Frauen mit einer Grundausbildung. Unter den Männern kehrt sich diese Tendenz um, Männer mit höherer Bildung trinken am wenigsten.
Nur 20% der Personen, die sich für eine Therapie entscheiden, sind Frauen. Wenn es um die Schicksale der Ehepaare geht, in denen einer der Eheleute Alkoholiker ist, so treten große Unterschiede auf, abhängig vom Geschlecht des Alkoholikers.
Nur 10% der Ehen, in denen die Frau vom Alkoholismus betroffen ist, zerfällt nicht. 90% der Alkoholiker-Ehemänner dagegen bleibt weiterhin verheiratet. Meistens ist der Ehemann oder der Partner einer Alkoholikerin ebenfalls abhängig.
Vom Alkoholismus betroffene Frauen unternehmen häufiger Selbstmordversuche und in ihren Lebensläufen finden sich häufiger psychiatrische Behandlungen. Die Motivation, sich behandeln zu lassen, ist das Auftreten von gesundheitlichen oder familiären Problemen unter den Frauen häufiger. Gründe, die Männer zur Aufnahme einer Behandlung bewegen, sind indes viel häufiger Probleme in der Arbeit oder Konflikte mit dem Recht, vor allem Strafen für Autofahren unter Alkoholeinfluss.

Auch wenn eine Frau weitaus weniger Alkohol konsumiert als ein Mann, vielleicht sogar bis zu 45% weniger, so durchlebt sie dieselben schwerwiegenden Probleme wie er.
Deswegen ist es wichtig, die von Frauen und Männern konsumierten Mengen an Alkohol nicht zu vergleichen und sich nicht davon täuschen zu lassen, dass der Konsum bei Frauen geringer ist. Bis heute wurde noch keine einzige systematische Untersuchung durchgeführt, die es zum Ziel hätte, die Unterschiede zwischen den Therapieergebnissen bei Frauen und Männern aufzuzeigen. Als einen allgemeinen Hinweis sollte man die Annahme ansehen, dass Patienten beiderlei Geschlechts, insofern der Grad der Erkrankung ähnlich ist, unter Anwendung von identischen therapeutischen Methoden gleiche Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung haben.

Die Kehrseite der Medaille ist die Tatsache, dass, unabhängig vom Familienstand, Frauen nach Beginn einer Behandlung weitaus weniger Unterstützung von ihrer Familie und ihren Freunden erhalten als Männer.
Praktisch alle mir bekannten Alkoholikerinnen wurden oder werden geschlagen. Trinkende Frauen werden sowohl zu Hause vom Ehemann oder Partner, als auch im Alkoholikermilieu, wo sie den Alkohol konsumieren, geschlagen. Sie werden behandelt, als ob sie keinerlei Rechte hätten. Oft haben sie das Gefühl, keinerlei Recht auf Leben oder Glück zu haben und dass die Schläge, die man ihnen zufügt, gerechtfertigt und verdient sind. Wenn einer solchen Frau die Kinder weggenommen wurden, diese im Kinderheim sind oder von der Familie des Ehemannes versorgt werden, dann sinkt das Gefühl einer solchen Patientin, sie hätte ein Anrecht auf ein eigenes Leben, die Erfüllung der eigenen Vorstellungen, auf Würde und Achtung, gegen Null. Die Therapie einer solchen Person bedarf besonderen Bedachts, damit das recht plötzliche Erkennen der eigenen Lebenssituation oder die Aufstellung einer Lebensbilanz keine untragbare Bürde darstellt.

Von Monat zu Monat wächst die Anzahl der alkoholabhängigen Frauen, die therapeutische Hilfe suchen. Im Kreis Zgorzelec gibt es drei Einrichtungen für die Behandlung von Alkoholabhängigkeit: in Zgorzelec, Bogatynia und Sieniawka.

Ganz sicher erschöpfen die hier von mir hier angerissenen Problematiken nicht den gesamten Umfang der Schwierigkeiten, die eine Behandlung von abhängigen Frauen mit sich bringt. Aber die von mir genannten, aktuell am deutlichsten sichtbaren, verändern die Muster und die Art und Weise unserer Arbeit und zwingen uns, neue Lösungen und inhaltliche und organisatorische Ideen zu suchen und zu finden.

Andrzej Pałys

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