Kaufsucht und Gesundheitswahn

Kaufsucht

Kaufsucht und Gesundheitswahn

Kaufsucht und Gesundheitswahn Copyright: © Elnur – Fotolia.com

Im Fall einer Kaufsucht liegt das Problem im unwiderstehlichen Zwang des sinnlosen Einkaufens bis zum totalen Verlust der Kontrolle über Bedürfnisse und Finanzen. Trotz negativer Konsequenzen auf finanziellen, familiären und gesellschaftlichen Niveau gibt es keinen Ausweg.
Der Kaufsüchtige hat kein Bedürfnis, unbedingt etwas zu besitzen; seine Neigung zum ständigen Einkaufen resultiert aus einem mangelnden Selbstbewusstsein, Frustration, Einsamkeit und Ablehnung. Der Einkauf soll also ein Gefühl der Akzeptanz und der Bewunderung schaffen.
Der Betroffene leidet unter Stimmungsschwankungen; oft werden sogar Depressionen diagnostiziert.
Der Kaufsüchtige klagt über eine Leere, die „weh tut“.
Das geringe Selbstwertgefühl wird dank des Kaufens angehoben; an seine Stelle tritt ein Zufriedenheits,- sogar Glücksgefühl.
Leider ist diese nur von kurzer Dauer; das Gefühl der Leere kommt sehr schnell zurück, begleitet von Schuldgefühlen und Gewissensbissen, Langeweile, Ärger, Niedergeschlagenheit und Stress.
Und je größer die Ängste vor diesen negativen Gefühlen beim Betroffenen sind, um so größer wird sein Bedürfnis, diesen mit Einkaufen entgegen zu wirken.

Gesundheitswahn

Menschen, die dem Gesundheitswahn verfallen, haben im Vorfeld oftmals über Jahre die verschiedensten Diäten ausprobiert. Irgendwann begreifen sie die Unsinnigkeit und vor allem Schädlichkeit dieser extremen Einschränkungen und gelangen in die nächste Sucht: Alle Lebensmittel werden nun nach eventuellen ungesunden Bestandteilen untersucht.
Der Betroffene ist sich sicher, dass er sogar in Bio-Läden keine gesunde Nahrung angeboten bekommt. Oftmals legt er sich dann einen eigenen Garten zu, um die Garantie gesunder Produkte zu haben.
Diese obsessive Gesundheitspflege hat bereits einen Namen: Gesundheitswahn (orthorexia nervosa, greichisch ortho-richtig; oreksis-Appetit).
Der Betroffene legt ganz großen Wert darauf, nur wirklich gesunde Nahrungsmittel zu verzehren.
Das Essen und die Planung der Mahlzeiten bestimmen das ganze Denken.
Im Gegensatz zu Magersüchtigen legen die Gesundheitswahnsinnigen einen großen Wert auf die Qualität, nicht auf die Menge der verzehrten Lebensmittel. Sie wählen immer strenger aus und sind der Meinung, dass ihnen diese Tatsache Gesundheit garantiert.
Die Betroffenen schließen verschiedene Produkte aus den Mahlzeiten aus, was oft zur Eliminierung von einigen mineralischen Bestandteilen und Vitaminen führt, die zur richtigen Funktion des Organismus notwendig sind. Damit kann es natürlich zu ernsten körperlichen und natürlich auch psychischen Störungen führen.
Der Begriff „Gesundheitswahn“ wurde zum ersten Mal im Jahre 1997 vom Arzt Steven Bratman gebraucht, der in der Kindheit an einer Allergie litt. Die Behandlung dieser Allergie macht einen Ausschluss von Weizenbrot und Milchprodukten aus seiner Ernährung notwendig.
Mit den Jahren steigerte sich seine Angst vor eventuell für ihn schädlichen Essen und verwandelte sich zu einer Obsession. Eine absolut gesunde Ernährung wurde zu seinem einzigen Lebensziel.
Er bereitete jeden Tag stundenlang Mahlzeiten zu, studierte die Literatur zum Thema der gesunden Ernährung und suchte nach neuen Diäten. Nach und nach schränkte der Arzt sich bis zu einer ausgesprochen ökologischen Nahrung ein, wobei er jeden Bissen mindestens fünfzigmal kaute.
Er konzentrierte sich dermaßen auf seine Ernährung, dass er an keinen gemeinsamen Mahlzeiten mehr teilnahm und jegliche Gesellschaft mit Freunden vermied.
Erst als er sein Medizinstudium abgeschlossen und seine berufliche Tätigkeit aufgenommen hatte, begriff der Mann, dass etwas sehr negatives mit ihm passiert war: In sein Sprechzimmer kamen Patienten, die nach strengsten Diäten lebten und er musste feststellen, dass deren Obsessionen identisch mit seinen Problemen waren.
Doktor Bratman gab diesem Krankheitsbild einen neuen Namen: Orthorexia nervosa – Gesundheitswahn

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